Kontrolle im Betrieb. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie das Risiko strukturiert senken – mit sauberer Bonitätsprüfung, passenden Sicherheiten und klaren Vertragsmechaniken.
Warum Mietausfall im Gewerbe besonders teuer ist
Gewerbemietverträge laufen länger, Flächen sind größer, Umbauten kosten mehr. Gerät ein Mieter in Rückstand, steigen Ausfälle und Folgekosten schnell – bis hin zu Leerstand und Neuvermietungsinvest. Prävention zahlt sich deshalb doppelt aus: weniger Konflikte, stabilerer Cashflow.
Weiterlesen: Gewerbeimmobilien vermieten · Marktüberblick: Gewerbemieten 2024/2025
Bonitätsprüfung vor Vertragsabschluss: Was wirklich zählt
Eine gute Prüfung ist mehr als eine Auskunft. Sie kombiniert Unterlagen, Plausibilität und Verantwortlichkeiten – dokumentiert und nachvollziehbar.
Unterlagen-Set (Minimum)
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Handelsregisterauszug, Gesellschafterstruktur, Vertretungsberechtigung
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Steuernummer/USt-ID
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BWA/Jahresabschluss (mind. letztes GJ), Liquiditätsstatus
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Wirtschaftsauskünfte (Bonitätsindex/Negativmerkmale), ggf. Bank- oder Vorvermieterreferenz
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Mietnutzungskonzept (Sortiment/Leistung, Öffnungszeiten, Personal)
Plausibilitätscheck
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Passt die Nutzung zum Standort?
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Trägt die Kalkulation Miete + NK + Ausbau realistisch?
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Abhängigkeit von einzelnen Großkunden?
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Auffälligkeiten: junges Unternehmen, stark steigende Verbindlichkeiten, Branchenrisiko
Vertiefung: Unterschiede Wohn- vs. Gewerbevermietung → zum Ratgeber
Entscheidungslogik: Risikoklassen & Sicherheitsniveau
Bewerten Sie jeden Interessenten als A/B/C-Risiko – und koppeln Sie daran die Sicherheiten. So bleibt die Entscheidung konsistent statt „Bauchgefühl“.
| Risikoklasse | Typische Mieter | Sicherheitsniveau (Orientierung) |
|---|---|---|
| A – niedrig | Etablierte Filialisten, starke Mittelständler | 3 NKM Kaution oder Bankbürgschaft |
| B – mittel | Solide KMU, junge Filiale etablierter Marken | 4–5 NKM Kaution/Bürgschaft, ggf. Patronat |
| C – erhöht | Start-ups, Neugründer ohne Historie | 6 NKM Bürgschaft, evtl. persönliche Bürgschaft GF, Mietvorauszahlung (1–2 Monate) |
NKM = Nettokaltmieten. Orientierung, keine Rechtsberatung.
Die richtigen Sicherheiten: Instrumente mit Wirkung
Sicherheiten müssen durchsetzbar sein – und zur Risikoklasse passen.
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Kaution (Bar/Kautionskonto): Einfach und liquide, bindet aber Mieter-Kapital.
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Selbstschuldnerische Bankbürgschaft (auf erstes Anfordern, unbefristet): Hohe Durchsetzbarkeit, schont Liquidität des Mieters; Text und Bankbonität prüfen.
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Patronat/Konzernbürgschaft: Sinnvoll bei Tochtergesellschaften – auf harte, rechtsverbindliche Patronate achten.
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Persönliche Bürgschaft (GF): Nur bei erhöhtem Risiko und guter Begründung; Durchsetzbarkeit prüfen.
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Mietvorauszahlung / „rollende“ Sicherheit: Bei C-Risiko 1–2 Monatsmieten voraus, Rückgang auf Normalzahlung nach Bewährungsphase.
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Sicherungsabtretungen (z. B. Untermietforderungen): Nischenlösung, v. a. in Centern.
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Mietausfallversicherung: Ergänzung – ersetzt keine Bonitätsprüfung. Bedingungen/Ausschlüsse prüfen.
Relevante Vertragshebel gebündelt: Gewerbemietvertrag-Checkliste – 25 Vermieter-Klauseln
Vertragsmechaniken, die Zahlungsausfälle verhindern
Die Mechanik des Vertrags entscheidet über Disziplin im Alltag.
Zahlungslogik
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SEPA-Lastschrift als Standard, Fälligkeit z. B. 3. Werktag
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Index (VPI) oder Staffel für Planbarkeit
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NK-Vorauszahlungen realistisch; bei Mehrverbrauch anpassen
Mehr dazu: Betriebskosten im Gewerbe
Betriebspflicht (Retail/Gastro)
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Öffnungszeiten, Warenpräsenz, Personal – schützt Frequenz und Objektwirkung.
Verzug & Sanktionen
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Klare Fristen, Mahnablauf, gesetzliche Verzugszinsen (B2B)
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Sonderkündigungsrecht bei qualifiziertem Verzug (z. B. zwei Mieten)
Aufrechnung/Zurückbehalt
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Auf unstreitige/rechtskräftige Forderungen begrenzen.
Untervermietung/Überlassung
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Nur mit Zustimmung; Kriterien (Bonität, Nutzung, Dauer) definieren.
Schriftform & Heilung
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Schriftform sichern; Mitwirkungspflicht zur Heilung vereinbaren – schützt lange Laufzeiten.
Laufende Überwachung: Frühwarnsignale & Mahnprozess
Prävention endet nicht mit der Unterschrift. Monitoring hält die Quote stabil.
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Reporting & Monitoring: Fälligkeitslisten, Rückstandsübersicht, automatische Eskalation.
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Frühwarnindikatoren: wiederkehrende Verspätungen, Teilzahlungen, Kommunikationsabbruch.
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Mahnprozess (Beispiel):
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Erinnerung D+3
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Formelle Mahnung D+10 (Fristsetzung)
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Letzte Mahnung D+20 (Androhung außerordentlicher Kündigung)
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Dokumentation: Alles schriftlich; Telefonnotizen kurz protokollieren. Teilzahlungsvereinbarungen befristen & an Bedingungen knüpfen.
Transparenz schafft Sicherheit: Reporting – Rückstände & Fristenmonitoring · Operativ stark bleiben: Kaufmännische Verwaltung
Sonderfälle: Start-ups, Pop-up, Mixed-Use
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Start-ups ohne Historie: Höhere Sicherheiten, ggf. persönliche Bürgschaft, kürzere Erstlaufzeit mit Option, Meilenstein-Plan.
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Pop-up/Kurzläufer: Befristung, höhere Kaution, einfache Rückgabe, Umbauten begrenzen.
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Mischobjekte: Nutzungsprofile abstimmen; Betriebspflichten und Lieferzeiten klar regeln.
Zwei kurze Praxisbeispiele
1) C-Risiko mit Plan (Gastro-Neugründung)
6 NKM Bürgschaft + 1 Monat Vorauszahlung, Betriebspflicht, Lastschrift, Indexmiete. Ergebnis: stabile Zahlungen, Risiko begrenzt.
2) A-Risiko effizient (Filialist Retail)
3 NKM Bürgschaft, klare Umbaufristen, definierte Werbeanlagen, Betriebspflicht. Ergebnis: schneller Start, geringe Komplexität.
Checkliste zum Durchgehen
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Bonität vollständig geprüft (HR, BWA/Jahresabschluss, Auskunft, Referenzen)?
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Nutzungskonzept & Standort plausibel?
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Risikoklasse A/B/C festgelegt – Sicherheitsniveau daran geknüpft?
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Sicherheiten schriftlich fixiert (Bürgschaft auf erstes Anfordern, unbefristet)?
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Zahlungslogik, Index/Staffel, NK-Anpassungen geregelt?
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Verzug/Sanktionen/Sonderkündigung klar?
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Aufrechnung/Zurückbehalt begrenzt?
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Betriebspflicht (falls relevant) vereinbart?
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Schriftform & Heilungsklausel enthalten?
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Reporting/Mahnprozess im Betrieb verankert?
FAQ: Mietausfall im Gewerbe – kurz & konkret
Welche Auskünfte sind für die Bonitätsprüfung wirklich essenziell?
Handelsregister/Vertretung, BWA/Jahresabschluss, Wirtschaftsauskunft (Bonitätsindex/Negativmerkmale) und ein Mietnutzungskonzept. Optional: Bank- oder Vorvermieterreferenz. Entscheidend ist die Plausibilität von Miete+NK+Ausbau.
Wie hoch sollte die Kaution/Bürgschaft sein?
Nach Risikoklasse: A ~ 3 NKM, B 4–5 NKM, C 6 NKM plus ggf. persönliche Bürgschaft oder Vorauszahlung. Es sind Orientierungen – prüfen Sie den Einzelfall.
Reicht eine Kaution – oder ist eine Bankbürgschaft besser?
Die selbstschuldnerische Bankbürgschaft auf erstes Anfordern ist für Vermieter meist durchsetzbarer und schont Mieterliquidität. Text und Bankbonität prüfen.
Was tun bei Teilzahlungen oder wiederholt verspäteten Mieten?
Als Frühwarnsignal werten, Mahnprozess starten, Teilzahlungsvereinbarung befristen, Sicherheiten prüfen/erhöhen, Eskalation vorbereiten.
Kann eine Mietausfallversicherung das Risiko ersetzen?
Nein. Sie kann ergänzen, ersetzt aber keine Bonitätsprüfung, Sicherheiten und saubere Vertragsmechanik. Bedingungen und Ausschlüsse sorgfältig lesen.
Welche Vertragsklauseln helfen präventiv am meisten?
SEPA-Lastschrift, Index/Staffel, klare Verzug/Sanktionen, begrenzte Aufrechnung/Zurückbehalt, Betriebspflicht (bei Retail/Gastro) und Schriftform/Heilungsklausel.
Mehr dazu: Gewerbemietvertrag-Checkliste
Fazit
Mietausfallprävention ist System, kein einzelner Paragraf: sorgfältige Auswahl, passende Sicherheiten, klare Verträge – und konsequentes Monitoring. So schützen Sie Rendite und Objektwert – digital verwaltet, persönlich betreut.
Nächste Schritte: Für Eigentümer & Investoren · Kaufmännische Verwaltung · Reporting